Zur deutschen Ausgabe der Farmhall-Protokolle

Als ich die Photokopie-Fassung der Farmhall-Protokolle von der National Library durch Vermittlung von Lore Levit erhalten hatte, habe ich beim Piper Verlag angeregt, diese auf Deutsch heraus zu bringen. Der Piper Verlag hat nicht positiv reagiert und die Farmhall-Protokolle (Operation Epsilon) kamen dann 1993 im Rowohlt Verlag heraus, herausgegeben von Herrn Professor Dieter Hoffmann.

Diese Ausgabe ist in einigen Punkten höchst merkwürdig. Schon der Title verschleiert. Der besonderen Lektüre empfehle ich, was Professor Carl Friedrich von Weizsäcker schreibt: Im Grunde bestätigt er, dass er und seine Kollegen mit Eifer Hitler eine Atombombe liefern wollten, die sie ihm - welch eine Illusion! - nur dann geben würden, wenn er verspräche, von nun an eine vernünftige Politik zu betreiben. PR hatte schon recht, als er Gerlach sagte, er könne froh sein, die Uranbombe nicht erfunden zu haben, denn dann würde er nicht mehr leben.

Eine andere Merkwürdigkeit ist, dass der zentrale Vortrag, den Werner Heisenberg wenige Tage nach dem Abwurf der ersten Atombombe auf Hiroshima am 14. August 1945 den in Farmhall Inhaftierten hielt, im Buch nicht abgedruckt ist. Es wird auf Seite 199 auf Anm. 35 verwiesen, "da es sich um einen technisch komplizierten Sachverhalt handelt". Die Anmerkung erhält aber nicht den versprochenen Wortlaut des Vortrags. In der englischen Ausgabe ist der Vortrag von Heisenberg nicht nur auf Englisch sondern auch auf Deutsch voll wiedergegeben.

Hoffmann hat m.E. sehr bewusst diesen Vortrag von Heisenberg unterschlagen, weil sich darüber eine Debatte entwickelt hat, die von Bernstein aufgerollt worden war. Nach Bernstein hat Heisenberg in diesem Vortrag zwar sehr viele der ihm bisher unbekannten Elemente des Baus einer Atombombe richtig dargestellt. Er hat aber in zwei oder drei Fällen immer noch falsche Erklärungen über Bau und Funktionsweise einer Atombombe gegeben. Daraus schloss Bernstein gewiss richtig, dass die Behauptung, die deutschen Physiker hätten den Bau einer Uranbombe sabotiert, nicht haltbar ist. Wenn man nicht weiss, wie man so etwas baut, so darf man dies nicht als bewusste Sabotage bezeichnen. Man kann nicht gut etwas sabotieren, von dem man keine ausreichende Ahnung hat.

 

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