
Der verschwundene Brief von Max von Laue über Farmhall
In den Akten von PR, die über Angela/Hilde zu mir gekommen sind, befindet sich ein Brief von Max von Laue an PR, in welchem von Laue über die Erlebnisse und Situation in Farmhall berichtet.
Es scheint mir offensichtlich, dass dies ein von PR bestellter Brief war, denn er hatte sich ausserordentlich erregt über die Legendenbildung durch Robert Jungk in "Heller als Tausend Sonnen".
Jungk hatte in diesem Buch die ihm von Carl Friedrich von Weizsäcker aufgetischte Legende übernommen. Dazu besitze ich einen Originalbrief von Jungk, worin dieser bestätigt und unterstreicht, dass diese "Legende" ihm nicht von Heisenberg sondern von Weizsäcker "verkauft" worden war, was gleichzeitig bedeutet, dass er sich von seiner Version in "Heller als Tausend Sonnen" distanziert. Er hat dies übrigens auch in seinem Vorwort zur Übersetzung des Werks "Die Uranmaschine" von Walker getan.
In diesem Brief legt von Laue deutlich dar, wie die "Lesart" entstanden ist, die deutschen Atomphysiker hätten eigentlich für Hitler keine Atombombe bauen wollen, hätten deshalb die Arbeiten verzögert, wenn nicht gar sabotiert. Letztere These wird breit ausgewalzt von Thomas Powers in "Heisenberg’s War" (Ich kenne kein Buch, das so detailliert dokumentiert und doch so falsch ist).
Dieser Brief von Max von Laue an PR hat ein eigenartiges Schicksal. In meinen Unterlagen sind Kopien vorhanden, die dieses belegen. PR hat diesen Brief der Royal Society in London angeboten. Diese hat ihn zurück gewiesen, solange von Laue noch lebe. Nach dem Tod von von Laue hat PR dessen Originalbrief an ihn erneut der Royal Society geschickt und Empfangsbestätigung erhalten (übrigens waren diese Korrespondenzen einige Zeit geheimgehalten und wurden dann aber, wie der Stempel darauf belegt, freigegeben).
Dieses offizielle Deponieren eines ihm wichtig scheinenden Dokumentes ist m.E. der einzige Fall, wo PR bewusst eine Spur seiner Tätigkeit gelegt hat. Sonst hat er stets (wie der Steinklopferhansl) sorgsam jede Spur vermieden. Es mag Ironie des Schicksals sein, dass diese einzige bewusst gewollte Spur zu legen missglückte.
Ich habe dann die Royal Society nach diesem Brief befragt. Er sei nicht auffindbar, wurde mir gesagt. Darüber entstand eine Korrespondenz. Als ich einmal in London war, telefonierte ich über diesen Brief mit Sir Charles Frank. Er gab mir zwei Erklärungen, wie möglicherweise dieser Brief abhanden gekommen sei:
- Es sei möglich, dass nach dem Tode von Max von Laue der Journalist, der für einen Orbitary in der Royal Society gearbeitet habe, diesen Brief beseitigt oder entwendet habe.
- Die Royal Society sei vor einiger Zeit ins Somerset-House umgezogen und es sei möglich, dass bei dieser Gelegenheit die Kiste mit dem Brief irgendwo falsch gelandet sei.
Sir Charles Frank wurde für seine geheime Arbeit an der Atombombe geadelt. Ich nehme deshalb an, dass er dem englischen Geheimdienst nahe stand. Beide seine oben gegebenen Erklärungen können nicht stimmen:
Die Erklärung 1 stimmt nicht, weil der Brief von Laue erst einige Zeit nach dessen Tod von PR der Royal Society geschickt wurde. Wer immer für den Nachruf das Archiv der Royal Society benutzte, konnte dort den Brief nicht vorfinden und somit auch nicht entfernen, denn der Brief wurde von PR erst später dort deponiert. Die Vorstellung, in einem Archiv für einen Nachruf Material zu suchen, das von lebenden Personen grundsätzlich keine Unterlagen annimmt sondern erst, wenn sie gestorben sind, erscheint widersinnig.
Die Erklärung 2 stimmt nicht, weil der Brief wie Arnold Kramish feststellte, bereits nicht mehr vorhanden war, als die Royal Society noch an ihrem alten Domizil war.
Ich habe der Royal Society eine neue Fotokopie einer alten Fotokopie des Originalbriefes aus den Akten geschickt mit der Bitte, diese ihren Akten beizufügen. Ich habe nie eine Empfangsbestätigung erhalten und weiss auch nicht, ob jetzt wenigstens diese Kopie bei den Akten liegt oder nicht (Ich weiss, dass die Royal Society im Grundsatz keine Fotokopien sammelt, in diesem Falle aber, wo sie ein Originaldokument angeblich verschlampt hat, sollte sie doch wenigstens eine Fotokopie bei ihren Akten haben).
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